Ricarda Lang und Ulf Poschardt im Original

https://www.youtube.com/watch?v=70nXSbbn8-8

Das Gespräch wird gerade von verschiedenen Polityoutubern heiß diskutiert. Warum eigentlich? Ulf Poschardt proklamiert ein grün-kulturelle Dominanz, die er verantwortlich macht für das Erstarken der extremen Rechten und des Rechtspopulismus (Theorie des politischen Pendels). Ricarda Lang verweist auf die politischen Realitäten und Umfragen, die nicht wirklich auf eine grün-kulturelle Dominanz hinweisen. Eine Erklärung für den Rechtsruck liefert sie letzlich nicht. Am Ende des Gesprächs fordert Poschardt eine Absenkung des Spitzensteuersatzes.

Hier unterhält sich das gut betuchte bürgerliche Lager (oberes Prozent). Zwei Personen, Maischberger und Poschardt, die nie politische Verantwortung gehabt haben mit Ricarda Lang, die verschiedene politische Ämter bekleidet hat und eine Reizfigur für bestimmte Internetcommunities geworden ist. Ulf Poschardt sieht wie immer sehr gut aus. Der Maßanzug mit leicht knittrigem Hemd weist auf seine Entspanntheit und Weltläufigkeit hin. Man hat Niveau. Diese zur Schau gestellte Lässigkeit vermag wiederum zu emotionalisieren – so einfach kann es sein. – Wir dürfen ergeben den Ausführungen lauschen. Natürlich wünschen wir den Dreien weiterhin wirtschaftlichen Erfolg und hohe Renditen (kulturell und fiskalisch) – so werden es viele Zuschauer empfinden.

Interessant. Poschardt will die AFD gerne in der Regierung sehen – damit sie scheitert. Die Linke will er auf keinen Fall in der Regierung – wegen Antisemtismus! – und sicher auch ein wenig – Achtung Unterstellung meinerseits – wegen des Spitzensteuersatzes, s.o.? Lang hingegen warnt vor dem Experiment AFD. Wer ist an dieser Stelle eigentlich auf der konservativen Position? Oder bückt man sich hier erneut vor dem (neuen/alten) Zeitgeist?

Was auffällt. Das Gespräch ist auch ein Ringen um die Diskurspunkte und liefert damit eine Bestandsaufnahme der bürgerlichen Debatte. Man kann sich einfach nicht darauf einigen, was die vorrangigen Aufgaben der Zeit sind. Welches sind die Fehler, aus denen es zu lernen gilt? Welches sind die Erfolge, die man gemeinsam feiern sollte? Ist das mit Kulturkampf gemeint?

Unterdessen scheinen sich größere Teile der Bevölkerung aus diese Art von Diskursen verabschiedet zu haben. Ein paar Aufmerksamkeitsprofis schneiden für die Masse der Handystreichler und Internetwichser solche Gespräche zu einer gehirnauflösenden Mixtur aus niederen Emotionen zusammen, um sie alsdann zu Brühwürfeln in Form von Clips und Casts zu verbacken. Achtung Durchfallgefahr. Internet I’m out.

Wieso eigentlich?

Wieso eigentlich “Sparringspartner”?

Wieso eigentlich “Thinking”?

Wieso eigentlich “Agent”?

Wieso eigentlich “schneller”?

Wieso eigentlich “Abo”?

Der Zauberlehrling

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort’ und Werke
Merkt’ ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu’ ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
Daß zum Zwecke
Wasser fließe,
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße!

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

Walle! walle
Manche Strecke,
Daß zum Zwecke
Wasser fließe,
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße!

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! –
Ach, ich merk’ es! Wehe! wehe!
Hab’ ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ich’s lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh’ ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

Willst’s am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten,
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nun auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe!
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wird’s im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör’ mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
Werd’ ich nun nicht los.

„In die Ecke,
Besen, Besen!
Seid’s gewesen!
Denn als Geister
Ruft euch nur zu seinem Zwecke
Erst hervor der alte Meister.“

Atlas der Zivilgesellschaft

https://www.brot-fuer-die-welt.de/themen/atlas-der-zivilgesellschaft/

Nur 3,4 Prozent der Menschen weltweit leben in Staaten, in denen volle Meinungs- und Versammlungsfreiheit garantiert ist. Das sind jene 39 Länder, die im CIVICUS-Monitor als „offen“ klassifiziert und in der Karte dunkelgrün gefärbt sind. Hier leben 277 Millionen Menschen. Deutschland gehört nicht dazu.

https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/Atlas_der_Zivilgesellschaft/2026/Atlas-der-Zivilgesellschaft_2026_barrierefrei.pdf