{"id":2837,"date":"2024-05-07T06:43:26","date_gmt":"2024-05-07T06:43:26","guid":{"rendered":"https:\/\/jan.schnasse.org\/blog\/?p=2837"},"modified":"2026-09-28T11:37:11","modified_gmt":"2026-09-28T09:37:11","slug":"digitalisierung-der-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jan.schnasse.org\/blog\/2024\/05\/07\/digitalisierung-der-schulen\/","title":{"rendered":"Digitalisierung der Schulen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.rundschau-online.de\/koeln\/fuer-jeden-schueler-ein-ipad-pilotprojekt-get-your-own-device-in-sechs-koelner-schulen-252647\">https:\/\/www.rundschau-online.de\/koeln\/fuer-jeden-schueler-ein-ipad-pilotprojekt-get-your-own-device-in-sechs-koelner-schulen-252647<\/a><\/p>\n<p>Falsche Schwerpunkte in einer kopfstehenden Debatte<\/p>\n<p>Die Digitalisierung des deutschen Schulsystems ist ein immer wieder proklamiertes Ziel, das gesellschaftlich weithin Zustimmung zu finden scheint. Nicht selten wird dabei eine gemeinsame Vorstellung von Digitalisierung vorausgesetzt. So ger\u00e4t die Debatte oft schon an ihrem Beginn in Schieflage, da anschlie\u00dfend vor allem von der Bereitstellung von Devices und digitalen Lehrinhalten die Rede ist. Dabei gilt es unter dem Begriff Digitalisierung deutlich mehr zu verhandeln. Die Einengung der Debatte auf Ger\u00e4te und die Bereitstellung von Lehrinhalten leuchtet schlie\u00dflich gerade im Schulkontext nicht ein.<\/p>\n<p>Die Schule als Ort der Zusammenkunft und des gemeinsamen Lernens, als Ort des Probierens und Erprobens, als Vorbereitung auf die vielf\u00e4ltigen Herausforderungen des Lebens, als Vermittlerin eines gemeinsamen Werte- und Bildungskanons. Welchen Beitrag kann Digitialisierung, kann digitale Technologie hierzu leisten? Viel zu selten wird das Thema Digitalisierung von dieser Seite aus beleuchtet.<\/p>\n<p>Was ist Digitalisierung?<\/p>\n<p>Digitalisierung ist die Abbildung eines Gegenstandes mit Hilfe von Zeichen (Digits) in einem Zeichensystem. Schriftsprache, Mathematik aber auch Zeichensysteme kultureller Ordnung (Kunst, Kultur, Musik), dies alles sind digitale Techniken, die schon immer an Schulen gelernt und gelehrt werden. Schulen sind seit jeher digitale Einrichtungen. Lehrer sind Digitalexperten.<\/p>\n<p>Nun ist dies nicht die gemeine Vorstellung von Digitalisierung. I.d.R wird unter Digitalisierung die elektronische Verarbeitung von Daten und ihre algorithmische Auswertung und Analyse gefasst. Wichtige Felder dieser digitalen Datenverarbeitung sind: Informationsspeicherung, Informations\u00fcbertragung, Informationsverarbeitung, Informationsausgabe. Die dazugeh\u00f6rigen Anwendungen sind vielf\u00e4ltig: Kommunikation, Visualisierung, Wissensspeicherung, Knowledge Management, Kalkulation, KI etc. pp.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist Digitalisierung ein wirtschaftlicher Faktor. Viele Probleme, die durch Digitalisierung gel\u00f6st werden, sind Optimierungsprobleme. Beispiele: Amazon optimiert erst den Buchversand, dann den Warenversand und schlie\u00dflich die Bereitstellung von technischer Infrastruktur. Microsoft optimiert die Textverarbeitung und Tabellenkalkulation und schlie\u00dflich die Bereitstellung digitaler Infrastruktur f\u00fcr Unternehmen. usw. Gelingt es einem Unternehmen durch digitale Optimierung ein Gesch\u00e4ftsfeld effizienter zu bestellen als andere Markteilnehmer, so erh\u00e4lt es Marktvorteile und kann als Optimierungsspezialist sein Bet\u00e4tigungsfeld erweitern und ausbauen.<\/p>\n<p>Digitalisierungsans\u00e4tze an der Schule als Ergebnis einer Fortentwicklung der Lehrpl\u00e4ne<\/p>\n<p>Schulen leisten bereits jetzt einen \u00fcberragenden Digitalisierungsbeitrag. Durch die Vermittlung von Sprache, Schrift und algorithmischen Verfahrens, sowie durch Anwendung und Einsatz dieser Grundtechniken auf unterschiedliche Fachbereiche werden die Sch\u00fcler Schritt f\u00fcr Schritt mit wichtigen Digitalsierungstechniken vertraut gemacht.<\/p>\n<p>Innerhalb der begrenzten Schulzeit von 9-13 Jahren (in D) k\u00f6nnen sicherlich in gewissem Umfang auch Aspekte aus den zwei anderen gro\u00dfen Bereichen der Digitalisierung Eingang in die Lehrpl\u00e4ne finden.<\/p>\n<p>Beispiel f\u00fcr &#8222;digitale&#8220; Lehrinhalte:<\/p>\n<p>1. Elektronische Datenverarbeitung<\/p>\n<p>&#8211; Statistische Verfahren und andere Algorithmen<br \/>\n&#8211; Grundlegende Datenstrukturen und Speicherverfahren<br \/>\n&#8211; Visualisierung<\/p>\n<p>2. Kommunikation<\/p>\n<p>&#8211; Elektronische Kommunikationsmedien<br \/>\n&#8211; Interkulturelle Kommunikation<\/p>\n<p>3. Wirtschaft und Recht<\/p>\n<p>&#8211; Rechtliche Grundlagen &#8211; AGBs<br \/>\n&#8211; Digitaler Businessplan<\/p>\n<p>Vom Lehrplan zum Unterrichtskonzept<\/p>\n<p>Auf Basis eines Lehrplans k\u00f6nnen nun Unterrichtskonzepte zur Vermittlung der verabredeten Lehrinhalte erstellt werden. Die Unterrichtskonzepte sollten sinnvollerweise auch den Einsatz elektronischer Ger\u00e4te und Anwendungen beinhalten.<\/p>\n<p>Anforderungen an die digitale Ausstattung<\/p>\n<p>Aus den Unterrichtskonzepten k\u00f6nnen nun Anforderungen an die digitalen Ausstattung abgeleitet werden. Bei der Ermittlung von Anforderungen ist es stets wichtig die verschiedenen Stakeholder einzubeziehen. In der Schule ist dies zun\u00e4chst das Dreieck: Kinder, Lehrer, Eltern. Auch Unternehmen und Experten k\u00f6nnen in weiteren Schritten hinzugezogen werden. Am Ende der Beratungen kann ein Anforderungskatalog stehen, z.B.<\/p>\n<p>&#8211; Jedes Kind hat das Recht auf eine bedarfsgerechte Ausstattung zur Erf\u00fcllung der schulischen Aufgaben.<br \/>\n&#8211; F\u00fcr das Fach Deutsch hat jedes Kind die M\u00f6glichkeit Daten in einem hierarchischen Dateisystem abzulegen und Zitationen in einem geeigneten Werkzeug erfassen. Vorschlag Softwarepaket XY<br \/>\n&#8211; F\u00fcr das Fach Informatik wird ein Terminal, ein Editor ud eine Tastatur ben\u00f6tigt. Vorschlag Softwarepaket XY<br \/>\n&#8211; F\u00fcr das Fach Sozialwissenschaften hat jedes Kind die M\u00f6glichkeit mit dem eine Tabellenkalkulation f\u00fcr ein genanntes Problem zu erstellen. Vorschlag: Softwarepaket XY<br \/>\n&#8230;usw.<\/p>\n<p>Bei der Auswahl der Softwarepakte und der Systemanforderungen sind vern\u00fcnftiger Weise grunds\u00e4tzlich Effizienzkriterien anzulegen. So ist grunds\u00e4tzlich darauf zu achten, dass die Programme in ihrer Lizensierung kosteng\u00fcnstig \u00fcber Schullizenzen bereitgestellt werden k\u00f6nnen. Anwendungen, die Nutzerdaten speichern und verwerten, sind zu meiden (Datensparsamkeit).<\/p>\n<p>Zum Schluss kann der Anforderungskatalog priorisiert werden, d.h. die einzelnen fachlichen Anforderungen werden in eine geordnete Liste gebracht.<\/p>\n<p>Auf Basis dieses Anforderungskatalogs werden nun IT-L\u00f6sungen, Ger\u00e4tekonfiguration, Lizensierugsmodelle eruiert. Dies kann, je nach Ambition, durch einen externen Dienstleister erfolgen, oder \u00fcber die Erfragung von Kostenvoranschl\u00e4gen in g\u00e4ngigen Shops erfolgen.<\/p>\n<p>Nutzung von digitalen Produkten und Endnutzerger\u00e4ten<\/p>\n<p>Am Ende des hier skizzierten Digitalisierugsprozesses gibt es ein Konzept, ein Anforderungskatalog und eine Auswahl von Empfehlungen die IT-Ausstattung betreffend. Nun sollten die Stadt als Schultr\u00e4ger \u00fcber die Kosten informiert werden und die Beschaffung der Ausstattung sollte m\u00f6glichst zentral und kosteneffizient initiiert werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Fixierung auf Devices unter dem Oberbegriff Digitalisierung lenkt von der eigentlichen Aufgabe ab. Durch die Festlegung auf vorgegebene Reseller und Produkte entsteht das Risiko zu Hoher Kosten und einer am Ende dennoch nicht anforderungsgerechten Ausstattung. In K\u00f6ln wird meinem Eindruck nach das Pferd derzeit vom Schwanz her aufgez\u00e4umt. Den Schulen wird der Zugang zu einem Apple-Reseller und einem IT-Dienstleister geboten. Um die Finanzierung der Endger\u00e4te m\u00fcssen sich die Schulen, ergo Eltern, selber k\u00fcmmern. Die Unterrichtskonzepte sollen anschlie\u00dfend um die Ger\u00e4te und damit verbundenen Shopsysteme herum entwickelt werden. M.E. zeigt dieses Vorgehen, wie Digitalisierung NICHT laufen sollten. Am Anfang eines Digitalisierungsvorhabens (oft ein Optimierungsvorhaben! Schule optimieren?) sollte ein Konzept und Bedarfserhebung stehen. Die Digitalisierung sollte dann passgenau und kosteneffizient erfolgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/www.rundschau-online.de\/koeln\/fuer-jeden-schueler-ein-ipad-pilotprojekt-get-your-own-device-in-sechs-koelner-schulen-252647 Falsche Schwerpunkte in einer kopfstehenden Debatte Die Digitalisierung des deutschen Schulsystems ist ein immer wieder proklamiertes Ziel, das gesellschaftlich weithin Zustimmung zu finden scheint. Nicht selten wird dabei eine gemeinsame Vorstellung von Digitalisierung vorausgesetzt. 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